Faserzementtafeln als Fassadenbekleidung: Montage und Pflege im Praxis-Test

Faserzementtafeln als Fassadenbekleidung: Montage und Pflege im Praxis-Test
Faserzementtafeln als Fassadenbekleidung: Montage und Pflege im Praxis-Test
  • von Benjamin Alisic
  • an 25 Jan, 2026

Warum Faserzementtafeln die beste Wahl für Ihre Fassade sind

Wenn Sie Ihre Fassade sanieren, stehen Sie vor einer einfachen Frage: Was hält wirklich lange, sieht gut aus und braucht fast keine Pflege? Die Antwort lautet oft: Faserzementtafeln. Kein anderes Material kombiniert so gut Langlebigkeit, Feuerbeständigkeit und Ästhetik. Seit den 1980er Jahren haben sie sich von einer Nische zur Standardlösung entwickelt - besonders in Österreich und Deutschland, wo Brandschutzvorschriften strenger werden. Heute werden jährlich rund 15 Millionen Quadratmeter in Europa verbaut. Das ist kein Zufall. Faserzement besteht aus Zement, Quarzsand und Cellulosefasern - alles natürliche Stoffe, die unter hohem Druck und Temperatur zu stabilen Platten verpresst werden. Die Ergebnisse? Kein Rost, kein Fäulnis, keine Anfälligkeit für Insekten. Und das alles bei einer Lebensdauer von über 50 Jahren - doppelt so lang wie eine Holzfassade.

Die richtigen Materialien: Welche Tafeln gibt es?

Nicht alle Faserzementtafeln sind gleich. Die Marktführer sind James Hardie (35 % Marktanteil), Etex Group mit Cedral (25 %) und Eternit (20 %). Nischenanbieter wie Cembrit und Swisspearl bieten spezielle Oberflächen, etwa die Patina NXT mit integrierter Dämmschicht, die den U-Wert um 0,15 W/m²K verbessert. Die gängigsten Dicken liegen bei 8 mm - HardiePlank®, Cedral Lap und Cembrit Patina Inline passen perfekt in diese Klasse. Die Maße variieren leicht: HardiePanel® misst 1.200 × 3.600 mm, Cembrit 1.250 × 3.000 mm, Swisspearl 1.250 × 3.200 mm. Wichtig ist: Alle Systeme erfordern eine hinterlüftete Konstruktion. Keine Ausnahme. Selbst wenn Ihre alte Fassade gut aussieht, ohne Lüftung wird sich Feuchtigkeit ansammeln, und die Tafeln verziehen sich. Die Mindestlüftung beträgt 20 mm. Das ist kein Vorschlag - das ist technische Pflicht.

Montage: Schritt für Schritt - so wird’s richtig

Die Montage ist einfacher, als viele denken - aber nur, wenn Sie die Regeln befolgen. Beginnen Sie immer unten. Installieren Sie zuerst das Starterprofil, das als Träger für die erste Reihe dient. Dann kommt die erste Tafel - auf das Profil, nicht auf die Wand. Die Befestigung erfolgt mit speziellen Schrauben oder Nägeln, die vom Hersteller mitgeliefert werden. James Hardie und Cedral verwenden korrosionsfeste Schrauben, die mindestens 15 Jahre halten. Wichtig: Die Schrauben sitzen 20 mm unter der oberen Kante der Tafel. Zu nah an der Kante, und die Tafel bricht. Zu weit unten, und sie hält nicht. Der Abstand zur Traglattung beträgt 60 cm. Die Latten selbst müssen aus kesseldruckimprägniertem Holz der Qualität C24 bestehen. Kein billiges Fichtenholz. Kein Spanplattenrest. Nur C24.

Die Lüftungslücke ist Ihr wichtigster Verbündeter. Ohne sie entsteht Tauwasser - und das ist der Hauptgrund, warum Faserzementfassaden nach ein paar Jahren schimmeln oder sich wölben. Die Tafeln dehnen sich bei Hitze aus - bis zu 1,8 mm pro Meter bei 60 °C Temperaturunterschied. Wenn Sie keinen Spielraum lassen, drücken sie sich gegenseitig hoch. Ein typischer Fehler: „Habe die 1 cm Lüftungsabstände oben nicht eingehalten, jetzt wölben sich die Platten.“ Das steht in einem Forum von Hausbauern aus Linz, Januar 2024. Vermeiden Sie das. Lassen Sie oben mindestens 1 cm Spiel. Und nutzen Sie EPDM-Dichtbänder zwischen Tafel und Lattung. Das verhindert Klappergeräusche und verbessert die Optik.

Technische Darstellung der korrekten Montage von Faserzementtafeln mit Abständen, Dichtbändern und Befestigungspunkten.

Fenster und Türen: Die kritischen Übergänge

Die größten Probleme entstehen nicht an den Wänden, sondern an den Öffnungen. Unter jeder Fensterbank muss ein Lüftungsprofil eingebaut werden. Der Abstand zwischen Fensterbank und Fassadentafel muss mindestens 10 mm betragen. Und die Fensterbank muss 30 mm über die Tafel hinausragen. Warum? Damit Wasser abläuft - und nicht hinter die Tafel läuft. Wenn Sie das ignorieren, kommt Feuchtigkeit an die Unterkonstruktion. Und dann beginnt der Schaden. Auch bei Türen: Verwenden Sie immer ein abschließendes Profil. Keine offenen Kanten. Keine Klebeband-Lösungen. Das ist kein Heimwerkerprojekt - das ist eine Bauweise, die auf Fachwissen basiert.

Pflege: Was Sie wirklich tun müssen

Faserzement ist pflegefrei - aber nicht pflegeunfähig. Sie brauchen keine Anstriche, keine Imprägnierungen, keine Reinigungsmittel. Einmal im Jahr mit einem weichen Besen oder einem Wasserschlauch abspülen - mehr nicht. Verzichten Sie auf Hochdruckreiniger. Die Studie der TU München warnt: Drücke über 100 bar beschädigen die Oberfläche. Die Farbschicht wird abgetragen, die Struktur wird porös. Das ist kein theoretisches Risiko - das passiert täglich. Ein Handwerker aus Salzburg berichtete, wie er nach einem Hochdruckreiniger die Tafeln „wie Papier“ abblättern sah. Die Lösung? Wasser, ein Lappen, und Geduld. Wenn Schmutz anhaftet, nehmen Sie ein mildes Reinigungsmittel - kein Essig, kein Bleichmittel. Und niemals eine Bürste mit Metallborsten. Die kratzen die Oberfläche. Und dann ist die Fassade kaputt - und Sie müssen tauschen.

Vergleich einer 20 Jahre alten Faserzementfassade (unbeschädigt) und einer verwitterten Holzfassade unter gleichem Himmel.

Kosten und Wirtschaftlichkeit: Was es wirklich kostet

Ja, Faserzement ist teurer als Holz. Im Durchschnitt liegen die Materialkosten bei 45-65 €/m², Holzfassaden kosten 30-45 €/m². Aber rechnen Sie über 30 Jahre. Holz muss alle 8-10 Jahre gestrichen werden. Das kostet 15-25 €/m² pro Mal - und das bei einer Lebensdauer von nur 30-40 Jahren. Faserzement braucht keine Farbe, kein Holzschutz, keine Instandsetzung. Nach 20 Jahren ist Ihre Fassade noch genauso gut wie am ersten Tag. Die Investition amortisiert sich. Und wenn Sie selbst montieren: Erfahrene Handwerker schaffen 1,5-2 m² pro Stunde. Laien mit Anleitung schaffen 0,5-0,8 m². Mit dem Paslode-Nagler geht’s schneller - ohne Vorbohren, wie James Hardie empfiehlt. Das spart Zeit, und das spart Geld.

Aktuelle Entwicklungen: Was kommt als Nächstes?

Der Markt bewegt sich. James Hardie hat 2023 die HardiePanel® Eco Serie eingeführt - 30 % recyceltes Material, 20 % weniger CO₂. Cedral plant für Ende 2024 „Cedral Click 2.0“ - ein werkzeugloser Klick-Mechanismus, der die Montagezeit um 30 % reduziert. Swisspearl hat mit Patina NXT eine Tafel mit integrierter Dämmschicht auf den Markt gebracht. Das ist kein Trend - das ist die Zukunft. Die europäischen Bauvorschriften treiben das an. Die Münchner Brandschutzverordnung 2022 hat viele Bauherren gezwungen, auf nicht brennbare Materialien umzusteigen. Faserzement ist A1 - das höchste Brandschutzlevel. Und die Handwerkskammern berichten von 45 % mehr Schulungen im Jahr 2023 als 2021. Das zeigt: Es ist kein Nischenprodukt mehr. Es ist der Standard.

Was passiert, wenn Sie es falsch machen?

Die meisten Probleme entstehen durch falsche Montage. 22 % der Nutzer auf Fassadenbau.net berichten von Problemen - fast alle wegen fehlender Lüftung oder falscher Befestigung. Die Tafeln wölben sich. Die Fugen reißen. Die Farbe blättert ab. Das liegt nicht am Material - das liegt an der Ausführung. Ein falsch montierter Faserzement ist eine teure Fehlinvestition. Ein richtig montierter ist ein Vermögen. Es gibt keine Entschuldigung für schlechte Arbeit. Die Anleitungen von Cedral, James Hardie und Cembrit sind online, detailliert, mit Videos. Sie brauchen nur die Zeit, sie zu lesen. Und die Disziplin, sie zu befolgen.