Heizungs- und Trinkwassertrennung planen: So sichern Sie die Hygiene in Ihrer Anlage

Heizungs- und Trinkwassertrennung planen: So sichern Sie die Hygiene in Ihrer Anlage
Heizungs- und Trinkwassertrennung planen: So sichern Sie die Hygiene in Ihrer Anlage
  • von Benjamin Alisic
  • an 23 Feb, 2026

Wenn Sie ein Haus bauen oder sanieren, denken Sie vielleicht zuerst an Heizung, Fenster oder Dach. Aber eine der wichtigsten, aber oft übersehenen Komponenten ist die Systemtrennung zwischen Trinkwasser und Heizungswasser. Ohne sie läuft das Trinkwasser Gefahr, mit Chemikalien aus der Heizungsanlage verunreinigt zu werden - und das kann gesundheitliche Risiken mit sich bringen. In Österreich und Deutschland ist diese Trennung seit Jahren gesetzlich vorgeschrieben. Doch viele Installationen werden immer noch falsch geplant oder nachgerüstet. Hier erfahren Sie, wie Sie die Systemtrennung richtig planen, welche Bauteile nötig sind und wo die häufigsten Fehler liegen.

Warum ist die Systemtrennung Pflicht?

Früher wurde Heizungsanlagen einfach mit dem Trinkwasser verbunden. Ein Schlauch, ein paar Minuten füllen - fertig. Doch das war riskant. Heizungswasser enthält Korrosionsschutzmittel, Biozide oder andere Additive, die nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Wenn im Haus der Wasserdruck plötzlich fällt - etwa durch einen Wasserrohrbruch oder eine starke Nutzung von mehreren Duschen gleichzeitig - kann das Heizungswasser zurückfließen. Es mischt sich mit dem Trinkwasser, das aus dem Hahn kommt. Das ist kein theoretisches Szenario. In den 1990er Jahren gab es mehrere dokumentierte Fälle, in denen Menschen durch kontaminiertes Trinkwasser krank wurden. Deshalb schreibt die deutsche Trinkwasserverordnung (TrinkwV) seit 2011 klar vor: Jede Heizungsanlage muss mit einem Systemtrenner vom Trinkwassernetz getrennt sein. Diese Regelung gilt auch in Österreich, da die europäischen Hygienestandards hier übernommen wurden.

Wie funktioniert ein Systemtrenner?

Ein Systemtrenner ist kein einfaches Ventil. Er arbeitet nach dem sogenannten Dreikammersystem und verhindert Rückfluss auf zwei Ebenen. Er besteht aus zwei Rückflussverhinderern mit einer dazwischenliegenden Luftspaltkammer. Wenn der Druck im Heizungskreislauf sinkt, entleert sich zuerst die Mitteldruckkammer. Dadurch entsteht ein Luftspalt - ein unsichtbares, aber entscheidendes Hindernis. Kein Wasser kann von der Heizungsseite ins Trinkwassernetz gelangen. Die Klasse AA ist die höchste Sicherheitsstufe und für Heizungsfüllanlagen vorgeschrieben. Andere Klassen wie BB oder CC reichen nicht aus, wenn es um Trinkwasser geht. Die DIN EN 1717:2001-04 und die DIN 1988-100:2012-08 legen genau fest, wie diese Trennungen installiert werden müssen. Nicht jede Armatur, die „Rückflussverhinderung“ verspricht, ist geeignet. Nur ein Systemtrenner der Klasse AA erfüllt die gesetzlichen Anforderungen.

Was gehört zur Heizungsfülleinrichtung?

Die Heizungsfülleinrichtung ist kein einzelnes Bauteil, sondern eine Kette von Komponenten. Sie beginnt am Trinkwasseranschluss und endet am Heizkreislauf. Dazwischen liegen mindestens drei Elemente: der Systemtrenner, ein Wasserzähler und optional ein Druckminderer. Der Systemtrenner muss immer als erstes Bauteil nach dem Trinkwasseranschluss installiert werden. Danach kommt der Wasserzähler, damit man den Füllvolumen messen kann - wichtig für Wartung und Abrechnung. Ein Druckminderer ist sinnvoll, wenn der Trinkwasserdruck zu hoch ist und die Heizungsanlage beschädigt werden könnte. Die Anschlussleitung zwischen Trinkwasser und Systemtrenner darf maximal zwei Meter lang sein und ein Volumen von 0,5 Litern nicht überschreiten. Längere Leitungen führen zu stagnierendem Wasser, das sich mit Keimen belasten kann. Die Leitung muss zudem aus Materialien bestehen, die Temperaturen von mindestens 95°C aushalten. Heizungswasser kann bei hohen Lasten oder Störungen deutlich heißer werden als das Trinkwasser. Ein einfacher Kupferrohranschluss reicht hier nicht aus.

Schematische Darstellung des Dreikammersystems eines Class-AA-Systemtrenners mit Luftspalt und Flussrichtung.

Die häufigsten Fehler bei der Planung

92 Prozent aller Probleme mit Systemtrennern liegen nicht an der Technik, sondern an der Planung. Das sagt der DVGW - und das bestätigen auch Handwerker in Linz, Salzburg und Wien. Der häufigste Fehler: Der Systemtrenner wird falsch montiert. Oft wird er zu tief oder zu hoch installiert. Die Luftspaltkammer muss waagrecht ausgerichtet sein. Wenn sie schief steht, funktioniert die Sicherheitsfunktion nicht. Ein weiterer Fehler: Die Anschlussleitung ist zu lang. Einige Handwerker nutzen einfach das nächste Trinkwasserrohr - egal ob es zwei oder fünf Meter entfernt ist. Das ist nicht nur gegen die Vorschrift, es ist auch gefährlich. Ein weiterer Punkt: Die Materialien. Viele installieren Kunststoffrohre, die nicht für hohe Temperaturen geeignet sind. Oder sie verwenden Dichtungen, die mit der Zeit porös werden. Ein SHK-Meister aus Linz berichtete, dass er vor einem Jahr einen 10-jährigen Systemtrenner ausgetauscht hat - die Gummidichtungen waren komplett zersetzt. Glücklicherweise hatte die Sicherheitsfunktion noch funktioniert. Aber das ist kein Grund zur Entspannung. Moderne Systemtrenner wie der Oventrop Separett sind nahezu wartungsfrei. Sie haben keine beweglichen Dichtungen, sondern arbeiten mit mechanischen Ventilen, die länger halten.

Planung mit Software: ZVPLAN und OVplan

Die Planung einer Trinkwasseranlage ist kein „Schätzen“. Sie erfordert Berechnungen. Mit der Software ZVPLAN wird der Spitzendurchfluss ermittelt - also wie viel Wasser gleichzeitig aus mehreren Leitungen fließen kann. Bei einem 6-Familien-Haus dauert die Berechnung maximal 30 Minuten. Die Software berücksichtigt die Nutzungsart - Wohnhaus, Hotel, Pflegeheim - und die Anzahl der Sanitäranlagen. Auch die Zirkulation wird berechnet. Leitungen mit weniger als drei Litern Inhalt können ohne Zirkulation bleiben, wenn die Ausflusszeiten eingehalten werden. Aber bei größeren Anlagen ist eine kontinuierliche Zirkulation Pflicht, um Legionellen zu verhindern. Die Temperatur am Warmwassererwärmer muss 60°C betragen. Und alle Rohre müssen wärmegedämmt sein. Die Software OVplan von Oventrop hilft dabei, das gesamte Rohrnetz zu simulieren. Sie zeigt, wo der Druckverlust zu hoch ist, wo die Pumpenförderhöhe angepasst werden muss und wo Wohnungsstationen sinnvoll sind. Wer ohne Software plant, plant mit Risiko.

Was kostet die Systemtrennung?

Die Kosten für die Installation einer Systemtrennung liegen zwischen 350 und 650 Euro - inklusive Material und Facharbeit. Das ist kein Luxus, sondern eine Investition in Ihre Gesundheit. Die Kosten variieren je nach Aufwand: Bei einem Einfamilienhaus mit einfachem Anschluss liegt der Preis am unteren Ende. Bei einer größeren Wohnung mit mehreren Heizkreisen oder bei einer Renovierung, bei der alte Leitungen umgebaut werden müssen, steigen die Kosten. Die Materialkosten machen etwa 40 Prozent aus. Der Systemtrenner selbst kostet zwischen 120 und 250 Euro, je nach Klasse und Hersteller. Die restlichen Kosten entstehen durch Rohrverlegung, Dämmung, Montage und Abnahme. Wichtig: Lassen Sie sich nie von einem Handwerker überzeugen, der sagt, „das alte System reicht noch“. Die Trinkwasserverordnung ist kein Vorschlag, sondern ein Gesetz. Und bei Nachkontrollen durch das Gesundheitsamt gibt es keine Nachsicht.

Intelligenter Systemtrenner mit Sensoren, der Daten an ein digitales Gebäudemanagement-Display sendet.

Die Zukunft: Digitale Überwachung und neue Normen

Die Technik entwickelt sich weiter. Bis 2025 wird es Systemtrenner geben, die mit Sensoren ausgestattet sind. Sie messen kontinuierlich den Druck, die Temperatur und die Integrität der Trennung. Diese Daten werden in die digitale Gebäudeverwaltung integriert. Das ist kein Science-Fiction. Der DVGW arbeitet an einem neuen Arbeitsblatt W 557, das die digitale Planung von Trinkwasseranlagen regelt. Ab 2026 muss jede Anlage eine Betriebsanleitung führen, die dokumentiert, wie die Systemtrennung funktioniert und wie sie gewartet wird. Die EU-Richtlinie 2020/2184 fordert zudem eine regelmäßige Überwachung der Wasserqualität. Das bedeutet: In Zukunft wird es nicht mehr reichen, den Systemtrenner nur einmal zu installieren. Sie müssen ihn überwachen. Und das geht am besten mit digitalen Lösungen.

Was tun, wenn das System schon existiert?

Wenn Sie ein älteres Haus haben, das vor 2011 gebaut wurde, ist es sehr wahrscheinlich, dass keine Systemtrennung vorhanden ist. Laut Heizung.de haben 37 Prozent der SHK-Handwerker in den letzten Jahren Nachrüstungen durchgeführt. Es ist kein großer Aufwand, aber er muss fachgerecht geschehen. Ein erfahrener Installateur kann die Trennung in einem Tag einbauen. Wichtig: Erst prüfen, dann installieren. Die alte Leitung muss entfernt werden. Die neue muss nach DIN 1988 und mit Materialien für 95°C verlegt werden. Und der Systemtrenner muss die Klasse AA haben. Keine Kompromisse. Eine falsch nachgerüstete Trennung ist noch gefährlicher als gar keine - weil sie ein falsches Gefühl von Sicherheit gibt.

Was Sie jetzt tun sollten

  • Prüfen Sie, ob Ihre Heizungsanlage mit einem Systemtrenner angeschlossen ist. Suchen Sie nach einem Metallgehäuse mit zwei Ventilen und einem Luftspalt zwischen ihnen.
  • Wenn Sie bauen oder sanieren: Lassen Sie die Systemtrennung von einem Fachplaner mit ZVPLAN oder OVplan berechnen.
  • Wählen Sie immer einen Systemtrenner der Klasse AA - keine Ausnahmen.
  • Stellen Sie sicher, dass die Anschlussleitung maximal 2 Meter lang ist und aus hitzebeständigem Material besteht.
  • Halten Sie sich an die DIN 1988-100:2012-08 - sie ist die Grundlage für jede sichere Installation.
  • Verlangen Sie eine Betriebsanleitung für Ihre Trinkwasseranlage - sie ist gesetzlich vorgeschrieben.

Was passiert, wenn ich keine Systemtrennung installiere?

Ohne Systemtrennung besteht die Gefahr, dass Heizungswasser mit Chemikalien wie Korrosionsschutzmitteln oder Bioziden in Ihr Trinkwassernetz zurückfließt. Das kann zu gesundheitlichen Problemen führen, besonders bei Kindern, Schwangeren oder älteren Menschen. Zudem verstoßen Sie gegen die Trinkwasserverordnung. Bei einer Kontrolle durch das Gesundheitsamt müssen Sie die Anlage umgehend abstellen und nachrüsten - mit hohen Kosten und Unannehmlichkeiten. In schwerwiegenden Fällen drohen sogar Geldstrafen.

Kann ich einen Systemtrenner selbst einbauen?

Nein. Die Installation einer Systemtrennung ist kein Heimwerkerprojekt. Sie erfordert Fachkenntnisse in Trinkwasserhygiene, Druckberechnungen und Materialauswahl. Selbst kleine Fehler - wie eine zu lange Leitung oder eine falsch montierte Dichtung - können die Sicherheit komplett beeinträchtigen. Nur zertifizierte Installateure dürfen diese Arbeiten durchführen. Sie haben die notwendigen Werkzeuge, Software und Kenntnisse der Normen. Außerdem übernehmen sie die Haftung, falls etwas schiefgeht.

Was ist der Unterschied zwischen Systemtrenner und Rückflussverhinderer?

Ein Rückflussverhinderer ist ein einzelnes Bauteil, das nur einen Weg blockiert. Ein Systemtrenner ist ein komplettes System mit zwei Rückflussverhinderern und einer Luftspaltkammer dazwischen. Nur der Systemtrenner der Klasse AA erfüllt die Anforderungen der Trinkwasserverordnung. Ein einfacher Rückflussverhinderer reicht nicht aus - er bietet keine ausreichende Sicherheit gegen Rückfluss bei Druckabfällen.

Wie oft muss der Systemtrenner gewartet werden?

Moderne Systemtrenner der Klasse AA, wie der Oventrop Separett, sind nahezu wartungsfrei. Sie haben keine beweglichen Dichtungen, die mit der Zeit abnutzen. Dennoch sollte die gesamte Heizungsfülleinrichtung alle fünf Jahre von einem Fachmann geprüft werden. Dabei wird der Druck getestet, die Leitungen auf Korrosion untersucht und die Dichtungen kontrolliert. Einige ältere Modelle mit Gummidichtungen müssen alle zwei bis drei Jahre gewartet werden. Die Betriebsanleitung gibt die genauen Intervalle vor.

Muss ich die Systemtrennung auch bei einer Wärmepumpe installieren?

Ja, unbedingt. Wärmepumpen arbeiten oft mit niedrigeren Temperaturen, aber das ändert nichts an der Gefahr. Die Heizungswasserchemie bleibt gleich - Korrosionsschutzmittel und Additive sind immer noch enthalten. Zudem erhöht die Wärmepumpe die Komplexität, weil sie oft mit Trinkwassererwärmung verbunden ist. Hier muss die Systemtrennung noch präziser geplant werden, da Temperatur- und Druckunterschiede größer sein können. Der BWP-Leitfaden von 2019 betont, dass bei Wärmepumpen die Anschlusskategorie besonders sorgfältig gewählt werden muss.