Naturstein im Innenbereich: Granit, Marmor, Schiefer - Was wirklich hält und was du wissen musst

Naturstein im Innenbereich: Granit, Marmor, Schiefer - Was wirklich hält und was du wissen musst
Naturstein im Innenbereich: Granit, Marmor, Schiefer - Was wirklich hält und was du wissen musst
  • von Benjamin Alisic
  • an 15 Feb, 2026

Wenn du dir eine Küche oder ein Bad wünschst, das nicht nur gut aussieht, sondern auch Jahrzehnte lang hält, dann solltest du dir Naturstein genauer ansehen. Kein industriell hergestellter Stein kann das, was Granit, Marmor und Schiefer bieten: Einzigartigkeit. Jede Platte hat ihre eigene Geschichte - Adern, Farbverläufe, Einschlüsse - und das macht sie unbezahlbar. Aber welcher Stein passt wirklich zu deinem Leben? Und warum ist Marmor in der Küche oft eine Falle, während Granit fast unschlagbar ist?

Granit: Der unerschütterliche Alltagsheld

Granit ist der Star unter den Natursteinen, wenn es um Praxis geht. Er entsteht tief im Erdinneren, als geschmolzenes Gestein langsam erkaltet. Das Ergebnis? Ein extrem dichter Stein, der aus Quarz, Feldspat und Glimmer besteht. Auf der Mohs-Härteskala liegt er zwischen 6 und 7 - das bedeutet: Dein Messer, dein Topf, dein Kinderwagen, alles kratzt nicht einmal daran. In einer Studie des Instituts für Bautechnik Berlin absorbierte Granit in 24 Stunden nur 0,2 % Flüssigkeit. Vergleich: Marmor nahm 2,8 % auf. Das macht Granit fast unsichtbar für Flecken.

Das ist der Grund, warum 92 % der professionellen Küchenplaner Granit als erste Wahl für Arbeitsplatten empfehlen. Ob du Kaffee verschüttest, Zitronensaft auf die Fläche tropfen lässt oder heiße Töpfe draufstellst - Granit hält das aus. Temperaturen bis 800 °C sind kein Problem. Und wenn du ihn richtig pflegst, hält er über 100 Jahre. Einige Küchen in Österreich, die in den 1970er Jahren mit Granit ausgestattet wurden, sehen heute noch aus wie neu.

Die Kosten liegen zwischen 95 und 140 € pro Quadratmeter, inklusive Verlegung. Das ist teurer als Keramik, aber günstiger als Marmor. Und du bekommst mehr: eine Oberfläche, die sich nicht verändert, egal wie oft du sie benutzt. Die Oberfläche kann poliert, mattiert oder natürlich gespalten sein. Poliert glänzt sie leicht, mattiert wirkt edel und natürlich. Keine der Varianten verliert an Qualität.

Marmor: Schön, aber mit Pflegeaufwand

Marmor ist der Star der Ästhetik. Seine Adern, die wie Malerei wirken, machen ihn zu einem Liebling von Architekten und Designern. Er entsteht aus Kalkstein, der unter enormem Druck und Hitze umgewandelt wurde. Das macht ihn weicher - Härtegrad 3 bis 4 auf der Mohs-Skala. Das klingt erstmal nicht schlecht. Aber hier kommt der Haken: Marmor reagiert auf Säure.

Ein Tropfen Zitronensaft, Essig, Wein, sogar starker Kaffee - das reicht, um die Oberfläche aufzurauen. 87 % der Nutzer berichten innerhalb von drei Jahren von Ätzstellen. Diese Schäden sind nicht einfach wegzumachen. Sie müssen professionell nachpoliert werden - und das kostet durchschnittlich 120 € pro Stelle. Selbst moderne Imprägnierungen, die die Säurebeständigkeit um bis zu 60 % erhöhen, können das nicht vollständig verhindern. Sie verlängern die Lebensdauer, aber sie machen Marmor nicht zu einem robusten Alltagsstein.

Das ist der Grund, warum Marmor in Küchen nur 35 % positive Bewertungen von Profis erhält. Aber in Badezimmern, Fluren oder als Dekoelement auf einer Kommode? Da ist er unschlagbar. Die Oberfläche fühlt sich warm an, reflektiert Licht sanft und verleiht jedem Raum eine Art Eleganz, die kein Kunststein nachahmen kann. Die Preise liegen zwischen 120 und 180 € pro Quadratmeter - oft teurer als Granit, weil die Verarbeitung aufwendiger ist und die Rohstoffe seltenere Marmorarten wie Statuario aus Italien kosten bis zu 400 €/m².

Wichtig: Du musst ihn alle 6 bis 12 Monate imprägnieren. Das kostet 12 bis 18 € pro Quadratmeter. Und du brauchst spezielle Reiniger. Keine Essig- oder Zitronenreiniger. Keine herkömmlichen Putzmittel. Das ist kein „setz und vergiss“-Material. Es ist ein „pflege und achte“-Material.

Weißer Marmorwaschtisch mit Zitronensaft-Fleck und Anwendung von Steinimprägnierung in einem luxuriösen Badezimmer.

Schiefer: Der stille Star für Badezimmer und Fußböden

Schiefer ist der unerwartete Gewinner, wenn es um Bodenbeläge geht. Er entsteht aus Tonschiefer, der unter Druck in dünne Schichten gespalten wird. Diese Spaltbarkeit ist sein größter Vorteil - und auch sein größter Nachteil. Die Oberfläche ist rau, aber nicht uneben. Moderne Schieferfliesen haben heute eine Präzision, die die Unebenheit um 40 % reduziert hat. Das macht sie einfacher zu verlegen und sauberer zu reinigen.

Warum lieben Badezimmerbauer Schiefer? Weil er wärmer ist als Keramik. Seine Wärmeleitfähigkeit liegt bei 0,8-1,2 W/m·K. Das bedeutet: Unter deinen nackten Füßen fühlt er sich 2-3 °C wärmer an als eine Fliese. Besonders in kalten Wohnungen ein großer Vorteil. Außerdem ist er rutschsicher, selbst wenn er nass ist. Das macht ihn ideal für Familien mit Kindern oder älteren Menschen.

Die Kosten liegen zwischen 80 und 130 € pro Quadratmeter. Das ist günstiger als Granit und deutlich günstiger als Marmor. Die Pflege ist einfach: Alle 18 bis 24 Monate eine Imprägnierung, das kostet nur 6 bis 10 € pro Quadratmeter. Aber: Schiefer ist porös. In hellen Ausführungen können sich Flecken bilden, wenn du Öl oder Farbe verschüttest. 23 % der Nutzer berichten von Problemen - besonders, wenn sie nicht imprägnieren oder zu aggressive Reiniger benutzen.

Ein weiterer Punkt: Farbunterschiede zwischen Lieferungen. Schiefer ist ein Naturprodukt. Die Farbnuancen können variieren. Das ist kein Defekt - das ist Charakter. Aber wenn du eine einheitliche Optik willst, musst du vor der Bestellung mehrere Proben vergleichen. Und du solltest immer mit dem Händler sprechen, ob er die Lieferung aus einer Charge liefert.

Was du wirklich brauchst: Verlegung und Pflege

Naturstein ist kein Material, das du einfach selbst verlegst. Die Unterlage muss absolut eben sein. Selbst eine 1-mm-Unregelmäßigkeit kann später zu Rissen führen. Profis brauchen mindestens zwei Jahre Ausbildung, um Naturstein richtig zu verlegen. Die Verlegung einer 20 m² großen Küche dauert 3 bis 5 Tage - viel länger als bei Fliesen. Aber der Unterschied im Ergebnis ist enorm.

Pflege ist der Schlüssel. Hier die Faustregel:

  • Granit: Alle 12-18 Monate imprägnieren. Mit neutralem Reiniger putzen. Keine Säuren.
  • Marmor: Alle 6-12 Monate imprägnieren. Nur spezielle Steinreiniger verwenden. Kein Essig, kein Zitronenreiniger. Keine Schwämme mit Metallteil.
  • Schiefer: Alle 18-24 Monate imprägnieren. Leicht feucht wischen. Auf Ölflecken achten.

Ein häufiger Fehler: Leute benutzen Reiniger für Keramik auf Naturstein. Das ist wie eine Zahnbürste für ein Porzellanvas. Es beschädigt die Oberfläche. Die richtigen Reiniger kosten nicht viel - 5 bis 10 € pro Flasche - und reichen für ein Jahr. Und sie sind leicht zu bekommen: Jeder seriöse Steinhändler in Österreich, wie Schmidt-Rudersdorf in NRW, gibt sie kostenlos mit.

Nasser Schieferboden in einem warmen Badezimmer mit nackten Füßen und einer Flasche Steinpflege.

Die Zahlen sprechen: Warum Naturstein immer mehr wird

Der Markt für Naturstein wächst. In Deutschland lag das Volumen 2022 bei 1,8 Milliarden Euro. Jedes Jahr steigt es um 3,2 %. Warum? Weil Menschen nach Echtem suchen. Ein Stein, der nicht aus einer Fabrik kommt, sondern aus der Erde. Ein Stein, der nicht ersetzt werden kann, weil er einzigartig ist.

Und es geht nicht nur um Ästhetik. Naturstein hat eine um 30 % geringere CO₂-Bilanz als Keramikfliesen. Das macht ihn zu einem der nachhaltigsten Baustoffe, die du für dein Zuhause wählen kannst. Eine Studie der Uni Kassel zeigte: Immobilien mit hochwertigem Naturstein im Innenbereich haben einen Wertvorteil von durchschnittlich 4,7 %. Das ist kein Marketing-Gesöff - das ist Fakt.

Und trotzdem: Der Wettbewerb mit Feinsteinzeug-Fliesen ist hart. Die Nachahmungen sehen gut aus. Aber sie fühlen sich kalt an. Sie haben keine Tiefe. Sie haben keine Geschichte. Und sie halten nicht länger als 15 Jahre. Naturstein hält länger als du in deinem Haus wohnst.

Was du heute tun kannst

Wenn du planst, deine Küche, dein Bad oder dein Wohnzimmer mit Naturstein auszustatten, dann mach das nicht spontan. Hole dir Proben. Leg sie in deine Räume. Schau sie bei Tageslicht an. Probier sie mit Wasser, Zitronensaft, Öl aus. Frag deinen Steinhändler: „Welcher Stein hält am besten, wenn ich drei Kinder, einen Hund und einen Kochtopf habe?“

Granit ist die sichere Wahl. Marmor ist die elegante Wahl. Schiefer ist die warme, bodenständige Wahl. Wähle nicht nach dem Preis. Wähle nach dem Leben, das du führst. Denn Naturstein ist nicht nur ein Material. Es ist eine Entscheidung für etwas, das bleibt.