Dachanstrich und Beschichtung: Optik, Schutz und Haltbarkeit im Vergleich

Dachanstrich und Beschichtung: Optik, Schutz und Haltbarkeit im Vergleich
Dachanstrich und Beschichtung: Optik, Schutz und Haltbarkeit im Vergleich
  • von Helmut Schröder
  • an 29 Jan, 2026

Was ist der Unterschied zwischen Dachanstrich und Dachbeschichtung?

Viele Hausbesitzer denken, Dachanstrich und Dachbeschichtung seien das Gleiche. Das ist ein Irrtum. Ein einfacher Anstrich mit normaler Außenfarbe ist nur eine Farbschicht - er schützt kaum und hält meist nicht länger als zwei Jahre. Eine echte Dachbeschichtung dagegen ist eine spezielle, dickere Beschichtung mit mindestens 0,5 mm Dicke. Sie bildet eine elastische, wasserabweisende Hülle, die nicht nur das Dach optisch aufwertet, sondern auch vor Frost, UV-Strahlung und Feuchtigkeit schützt. Wer nur die Farbe wechseln will, greift zum Anstrich. Wer das Dach wirklich sanieren will, braucht die Beschichtung.

Warum lohnt sich eine Dachbeschichtung?

Ein neues Dach kostet oft 15.000 € oder mehr. Eine professionelle Dachbeschichtung kommt für ein Einfamilienhaus mit 150 m² Dachfläche auf etwa 3.500 €. Das sind bis zu 70 % weniger. Und das ist nicht alles: Die Beschichtung verlängert die Lebensdauer des Daches um 10 bis 15 Jahre. Das bedeutet: Sie vermeiden den Stress, die Lärm und den Aufwand einer kompletten Neueindeckung. Außerdem verbessert sie die Optik - verblasste, graue Ziegel werden wieder farblich lebendig. Besonders bei historischen Dächern oder in Denkmalschutzgebieten ist das oft die einzige erlaubte Sanierungsmethode.

Welche Materialien gibt es und wie unterscheiden sie sich?

Es gibt zwei Haupttypen: Acryl- und Silikonbeschichtungen. Acryl ist wasserbasiert, riecht kaum, ist leicht zu verarbeiten und eignet sich gut für Heimwerker. Die Schichtdicke liegt bei 0,3 bis 0,5 mm, die Haltbarkeit bei 8 bis 12 Jahren. Es ist atmungsaktiv, was wichtig ist, damit Feuchtigkeit aus dem Dachdämmmaterial entweichen kann. Silikonbeschichtungen dagegen sind deutlich elastischer - sie dehnen sich bis zu 300 % aus, während Acryl nur 120-150 % schafft. Das ist entscheidend, wenn das Dach sich bei Temperaturschwankungen bewegt. Silikon hält 12 bis 15 Jahre, ist aber teurer und erfordert Atemschutz bei der Anwendung, weil der Geruch stark ist. Neuere Alkoxy-Silikone wie Enduris haften sogar ohne Grundierung auf fast allen Untergründen - das spart Zeit und Kosten.

Wie wirkt sich die Beschichtung auf Energieverbrauch aus?

Weiß oder helle Beschichtungen reflektieren bis zu 85 % der Sonneneinstrahlung. Das senkt die Temperatur auf dem Dach um bis zu 20 °C im Sommer. In Häusern mit Dachgeschosswohnungen führt das zu einer Energieeinsparung von 15 bis 20 % bei der Kühlung. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für die Stromrechnung. Besonders in Flachdächern von Gewerbegebäuden oder Logistikzentren wird diese Technik immer beliebter. Einige Hersteller entwickeln sogar Beschichtungen mit integrierten Photovoltaik-Eigenschaften - sie erhöhen die Effizienz von Solarzellen um bis zu 8 %, weil sie die Oberfläche kühler halten.

Handwerker bringt eine Dachbeschichtung auf einem geneigten Dach mit traditionellen Ziegeln an, während er die Oberfläche vorbereitet.

Was ist mit der Untergrundvorbereitung?

70 % des Erfolgs liegen in der Vorbereitung. Kein Material hält, wenn die Oberfläche nicht sauber ist. Schimmel, Moos, Algen und Staub müssen komplett entfernt werden - mit Hochdruckreiniger und speziellem Reiniger. Danach muss die Dachfläche vollständig trocken sein. Die Feuchtigkeit darf nicht über 5 % betragen. Wer das übersieht, bekommt Blasen, Abblätterung und Lecks. Ein Fall aus Dresden: Ein Hausbesitzer hat die Reinigung gespart, um 300 € zu sparen. Nach 18 Monaten war die Beschichtung kaputt. Die Reparatur kostete 1.200 €. Die richtige Grundierung ist auch entscheidend - bei älteren Oxim-Silikonen unbedingt nötig. Bei modernen Alkoxy-Silikonen nicht. Hier lohnt sich die Beratung durch einen Profi.

Wie viel kostet eine Dachbeschichtung?

Die Preise variieren je nach Material und Aufwand. Acrylbeschichtungen kosten zwischen 18 und 25 € pro Quadratmeter. Silikonbeschichtungen liegen bei 28 bis 35 €/m². Premium-Systeme wie HPS Ultra® mit 40-jähriger Garantie können bis zu 45 €/m² erreichen. Die Gesamtkosten für ein Einfamilienhaus liegen meist zwischen 3.000 und 5.000 €. Dazu kommen eventuell Kosten für die Reinigung und eventuelle Reparaturen an defekten Ziegeln. Wer selbst macht, spart etwa 30 %, aber die Fehlerrate steigt. Laut einer Umfrage von Vergleich.org erreichen professionell verarbeitete Beschichtungen eine Zufriedenheitsrate von 89 %. Selbstversuche kommen nur auf 67 %.

Was ist mit der Haltbarkeit und Garantie?

Die Garantie sagt viel über die Qualität aus. Standard-Polyesterbeschichtungen halten 10-15 Jahre. HPS Ultra® bietet bis zu 40 Jahre Garantie gegen Durchrostung - das ist die höchste Klasse. Acryl hat keine so lange Garantie, aber es ist umweltfreundlicher und einfacher zu recyceln. Silikon ist schwerer zu recyceln, aber langlebiger. Die DIN 18516-1, die ab Januar 2024 verschärft wurde, verlangt jetzt höhere Elastizität und UV-Beständigkeit. Nur Produkte, die diese Norm erfüllen, sollten verwendet werden. Wer eine Garantie von mehr als 15 Jahren angeboten bekommt, sollte nachfragen, ob sie vom Hersteller oder vom Handwerker gegeben wird. Herstellergarantien sind verlässlicher.

Reflektierende weiße Dachbeschichtung senkt die Temperatur und unterstützt Solarzellen, dargestellt als kühle, energieeffiziente Lösung.

Wann ist eine Beschichtung keine Lösung?

Nicht jedes Dach kann beschichtet werden. Wenn die Ziegel oder Schindeln stark gebrochen, porös oder durchgerostet sind, hilft keine Beschichtung. Auch bei starken Schäden am Dachstuhl oder undichten Dachkonstruktionen ist eine Sanierung notwendig. Ein Fachmann prüft vorher mit einem Feuchtigkeitsmessgerät und einer visuellen Inspektion. Wenn mehr als 15 % der Dachfläche beschädigt ist, lohnt sich die Beschichtung nicht. Dann ist eine Neueindeckung die bessere Investition. Auch bei Neubauten mit neuem Bitumendach ist eine Beschichtung oft unnötig - das Material ist schon geschützt.

Was sagt die Zukunft?

Die Branche entwickelt sich schnell. Bis 2025 wird die Nachfrage nach reflektierenden, weißen Beschichtungen um 12 % pro Jahr steigen, weil sie Energie sparen. Es gibt erste Pilotprojekte mit Beschichtungen, die sich selbst reinigen - wie die Lotusblume. Sie verhindern Mooswuchs ohne chemische Reinigung. Auch recycelbare Systeme werden wichtiger. Acryl hat hier die Nase vorn. In Deutschland wächst der Markt für Dachbeschichtungen jährlich um 6,2 %. 2023 waren es 480 Millionen Euro Umsatz. Die meisten Anwendungen sind im privaten Wohnungsbau, aber auch Gewerbegebäude nutzen die Technik zunehmend. Die Dachbeschichtung ist kein Trend - sie ist eine der wichtigsten Sanierungsmethoden für die nächsten 20 Jahre.

Was tun, wenn die Beschichtung abblättert?

Wenn nach ein oder zwei Jahren Farbe abblättert oder Blasen entstehen, liegt das fast immer an der Untergrundvorbereitung. Kein Produkt kann schlechte Reinigung oder feuchte Oberflächen kompensieren. In solchen Fällen muss die beschädigte Fläche abgeschliffen, neu gereinigt und erneut beschichtet werden. Das kostet 30-50 €/m², je nach Aufwand. Wer eine Garantie hat, sollte den Anbieter kontaktieren. Viele seriöse Firmen übernehmen Reparaturen, wenn sie selbst gearbeitet haben. Bei Heimwerkerprojekten bleibt man meist auf den Kosten sitzen. Deshalb: Nicht sparen, wo es wichtig ist. Reinigung und Trocknung sind die teuersten Schritte - aber auch die wichtigsten.

1 Comments

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    Mile Barbiš

    Januar 30, 2026 AT 17:51
    Was für ein Quatsch, das mit der Beschichtung! In meiner Heimat haben wir seit 50 Jahren kein Dach mehr gestrichen, nur neu gedeckt. Das ist echte Baukultur, nicht so ein Farbgestrick. 🇮🇪

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