Ein kaputtes Dach kostet Geld - und oft viel mehr, als man denkt. Nicht nur weil es regnet, wenn es nicht sollte, sondern weil falsch sanierte Dächer später zu Schimmel, faulendem Holz oder hohen Heizkosten führen. Laut einer Studie des Deutschen Energieberater-Netzwerks entstehen in 37% aller Dachsanierungen teure Folgeschäden, weil niemand systematisch kontrolliert hat, was wirklich gemacht wurde. Die Lösung? Eine klare, strukturierte Dachsanierungs-Checkliste. Nicht irgendeine, sondern eine, die wirklich alles abdeckt - von der ersten Besichtigung bis zur offiziellen Abnahme.
Phase 1: Bestandsaufnahme - Was ist wirklich kaputt?
Bevor du irgendetwas austauschst, musst du wissen, was du hast. Viele Hausbesitzer denken: „Das Dach ist alt, also muss es raus.“ Aber das ist falsch. Manchmal reicht eine Reparatur. Manchmal ist der Dachstuhl noch intakt, aber die Dämmung total daneben. Deshalb: Gehe mit Taschenlampe, Zollstock und Kamera rauf. Oder besser: Lass jemanden mit Erfahrung mitgehen. Notiere genau:- Alter und Material der Dacheindeckung (Ziegel? Blech? Bitumen?)
- Zustand des Dachstuhls: Gibt es Risse, Schimmel, Nagetierbefall oder Fäulnis?
- Feuchtigkeitsschäden an Holz oder Dämmung - besonders unter den Dachziegeln
- Dämmung: Wie dick? Aus welchem Material? Ist sie nass oder zusammengedrückt?
- Art der Dachkonstruktion: Kaltdach? Wohnraumausbau? Das ändert alles!
- Zustand der Dachentwässerung: Fallrohre verstopft? Regenrinnen verformt?
- Asbest? Wenn das Dach zwischen 1960 und 1980 gebaut wurde, könnte es Asbestplatten enthalten. Das ist kein Spiel - das muss ein Fachmann prüfen.
Diese Punkte sind nicht optional. Wer sie überspringt, baut auf Sand. Ein fehlender Asbest-Test kann später zu 20.000 Euro Sanierungskosten führen - und das, wenn das Dach schon neu ist.
Phase 2: Planung - Was muss sein, was darf sein?
Jetzt weißt du, was kaputt ist. Jetzt kommt die Frage: Was muss ich laut Gesetz machen? Und was kann ich tun, um Fördermittel zu bekommen? Seit Januar 2024 gilt im Gebäudeenergiegesetz (GEG): Bei einer Dachsanierung muss die Dämmung einen U-Wert von maximal 0,14 W/m²K erreichen. Das klingt technisch, ist aber einfach: Das bedeutet mindestens 24 cm Dämmung - bei Mineralwolle oder Holzfaser. Wer das nicht einhält, bekommt keine Förderung von BAFA oder KfW. Prüfe auch:- Benötigst du eine Bauanzeige oder eine Genehmigung? (Das hängt vom Bundesland ab - in Bayern ist es strenger als in Sachsen.)
- Steht das Haus unter Denkmalschutz? Dann darfst du oft nur Originalmaterialien verwenden - das kostet mehr, aber es ist Pflicht.
- Wird eine Dampfbremse oder Luftdichtheitsschicht eingebaut? Das ist entscheidend für den Schutz vor Feuchtigkeit - und oft der größte Fehler bei Neubauten.
- Wird eine Unterspannbahn verlegt? Sie muss atmungsaktiv und reißfest sein - nicht irgendein Billigprodukt vom Baumarkt.
- Willst du Photovoltaik integrieren? Ab Juli 2024 ist das in vielen Checklisten Pflicht - und es beeinflusst die Statik.
Fördermittel? Ohne vollständige Dokumentation dieser Punkte bekommst du keinen Cent. Laut BAFA-Jahresbericht 2023 wurden 83% der Anträge wegen unvollständiger Dachdokumentation abgelehnt. Das ist kein Zufall. Das ist System.
Phase 3: Ausführung - Was muss beim Einbau passieren?
Jetzt kommt der Handwerker. Und jetzt beginnt die wahre Prüfung. Denn viele Dachdecker sind gut - aber nicht alle machen alles richtig. Die Checkliste hilft dir, zu kontrollieren, ob sie das tun. Wichtig bei der Baustelle:- Wird ein Gerüst mit Dachfangschutz aufgebaut? Das ist nicht nur Pflicht, sondern schützt dich vor Unfällen.
- Werden alte Materialien fachgerecht entsorgt? Asbest muss nach TRGS 519 abtransportiert werden - sonst drohen Bußgelder.
- Wurde der Dachstuhl vor der neuen Eindeckung nochmal geprüft? Selbst wenn er „gut aussieht“, kann er innen faul sein.
- Wird die Dämmung dicht und ohne Lücken verlegt? Jede Lücke ist eine Wärmebrücke - und später ein Schimmelherd.
- Wie werden Anschlüsse gemacht? Kamine, Dachfenster, Wandanschlüsse - hier passieren 57% aller Wasserschäden. Kein Dachdecker darf hier abkürzen.
- Wird die Dachentwässerung komplett erneuert? Alte Fallrohre aus PVC, die brüchig sind? Das muss raus - auch wenn es teuer ist.
Ein kluger Trick: Mach eine Begehung mit dem Dachdecker, bevor er anfängt. Zeig ihm die Punkte aus der Checkliste. Sag: „Ich kontrolliere später mit dieser Liste.“ Das verändert das Verhalten. Die meisten Handwerker legen mehr Wert auf Qualität, wenn sie wissen, dass jemand genau hinschaut.
Phase 4: Nachkontrolle - Nach dem Regen kommt die Prüfung
Nach der Arbeit kommt der erste Regen. Und dann? Dann musst du prüfen, ob alles wirklich dicht ist. Nicht erst nach drei Monaten. Sofort. Dafür brauchst du:- Ein Protokoll über die Abnahme der einzelnen Gewerke - unterschrieben vom Dachdecker und dir.
- Dokumentation der Dämmwerte - mit Materialnachweisen, die den U-Wert belegen.
- Fotos von allen Anschlüssen, besonders wo Dach an Wand oder Kamin grenzt.
- Prüfung nach dem ersten Starkregen: Gibt es tropfende Stellen? Feuchtigkeit an der Decke?
- Einen Wartungsplan - was muss in 2 Jahren kontrolliert werden? Wer macht das?
Das ist nicht nur für dich wichtig. Das ist deine Versicherung. Wenn später etwas kaputt geht, brauchst du Beweise, dass die Sanierung ordentlich war - sonst verlierst du deine Gewährleistung. Und das kann bis zu 5 Jahre dauern.
Phase 5: Endkontrolle - Die offizielle Abnahme
Jetzt ist es soweit: Die Baustelle ist fertig. Jetzt kommt die offizielle Abnahme. Und hier brechen viele Hausbesitzer zusammen - weil sie nicht wissen, was sie prüfen müssen. Führe diese 6 Prüfungen durch:- Visuelle Kontrolle: Gibt es Blasen, Falten, lose Ziegel oder Risse in der Eindeckung?
- Wasserdichtigkeitsprüfung: Die einzige echte Methode? Flutung. Ein Teil des Daches wird mit Wasser gefüllt - und geschaut, ob es durchsickert. Das macht kein Handwerker freiwillig - aber du kannst es verlangen.
- Abnahme durch Architekten oder Bauleiter: Wenn du einen hast, muss er unterschreiben. Sonst ist die Abnahme rechtlich wertlos.
- Vollständige Dokumentation: Alle Unterlagen, Fotos, Nachweise - in einer Mappe. Digital und auf Papier.
- Prüfung aller Durchdringungen: Lüftungsrohre, Antennen, Solaranlagen - alle müssen dicht sein.
- Reinigung: Sind alle Abfälle weg? Ist der Garten sauber? Ein sauberer Dachbereich ist ein Zeichen von Professionalität.
Und hier kommt der wichtigste Tipp: Fristen festlegen. Jeder Mangel, den du findest, muss im Protokoll mit einer Frist versehen werden. Standard: 14 Tage für kleine Mängel, 30 Tage für große. Ohne Frist? Kein Druck. Und der Handwerker wartet - bis die Gewährleistungsfrist abläuft.
Was du sonst noch wissen musst
Die meisten Checklisten sind kostenlos - zum Beispiel von ImmobilienScout24 oder dem Verband Wohneigentum. Aber sie sind oft zu oberflächlich. Die professionelle Version von Gunter Hankammer (ISBN 978-3-481-03897-1) enthält die technischen Details, die du brauchst - und kostet 49,90 Euro. Für ein Dach, das 20 Jahre halten soll, ist das ein Schnäppchen. Digitale Tools wie „DachCheck Pro“ oder die neue App „DachSanPro“ (ab Dezember 2023) machen die Dokumentation einfacher - mit Foto, Ort und automatischem Protokoll. Aber: Sie brauchen ein Smartphone und Technikvertrauen. Wer nicht damit umgehen kann, bleibt besser bei Papier. Wichtig: Keine Checkliste ersetzt Fachwissen. Wenn du nicht weißt, was ein U-Wert ist oder wie eine Luftdichtheitsschicht funktioniert, hol dir einen unabhängigen Bauberater. Das kostet 200-400 Euro - aber spart dir oft 10.000 Euro.Was passiert, wenn du die Checkliste ignorierst?
Ein Nutzer auf Hausforum.de berichtete von 12.500 Euro Nachbesserungskosten - nur weil er die Dachentwässerung „nur oberflächlich“ geprüft hatte. Ein anderer entdeckte nach zwei Jahren Schimmel, weil die Dampfbremse falsch eingebaut war. Beide hatten keine Checkliste verwendet. Die Realität: Ohne Checkliste verlierst du- Deine Gewährleistungsrechte
- Deine Fördermittel
- Dein Vertrauen in den Handwerker
- Und oft, dein Geld.
Ein gut dokumentiertes Dach ist nicht nur ein sicheres Dach. Es ist auch ein wertvolles Gut - für dich, für deine Familie, für den späteren Verkauf.
Was kostet eine professionelle Dachsanierungs-Checkliste?
Kostenlose Versionen gibt es von ImmobilienScout24 oder dem Verband Wohneigentum - sie sind gut für Einsteiger. Die detaillierte, fachliche Checkliste von Gunter Hankammer kostet 49,90 Euro (ISBN 978-3-481-03897-1). Digitale Apps wie DachSanPro kosten 299 Euro pro Jahr, bieten aber automatische Protokolle und Foto-Dokumentation.
Muss ich die Dachsanierung wirklich mit Fotos dokumentieren?
Ja - und zwar vor, während und nach der Sanierung. Fotos sind dein Beweis, wenn später etwas schiefgeht. Besonders wichtig: Anschlüsse an Kamin, Fenster und Wand. 57% aller Wasserschäden entstehen dort. Mach mindestens 10 klare Fotos - mit Datum und Ort.
Wie lange dauert eine Dachsanierung mit Checkliste?
Die Vorbereitung (Bestandsaufnahme) dauert 6-8 Stunden. Die eigentliche Sanierung: je nach Dachgröße 1-3 Wochen. Die Endabnahme mit Prüfung und Dokumentation: 2-4 Stunden. Insgesamt: 10-15 Stunden Aufwand - aber das spart dir Monate Stress und Tausende Euro.
Was ist, wenn der Handwerker die Mängel nicht behebt?
Wenn du eine schriftliche Abnahmeprotokoll mit Fristen hast, kannst du die Mängel schriftlich anmahnen. Bei Nichtbehebung kannst du die Kosten für die Nachbesserung vom Handwerker verlangen - oder die Gewährleistung geltend machen. Ohne Protokoll? Du hast kaum Chancen.
Kann ich die Checkliste auch für ein kleines Dach nutzen?
Absolut. Auch bei einem kleinen Carport- oder Schuppen-Dach ist die Checkliste sinnvoll. Die Risiken sind dieselben: Feuchtigkeit, Schimmel, falsche Dämmung. Die Prüfpunkte kannst du einfach anpassen - aber nicht weglassen.
Warum ist die Luftdichtheitsschicht so wichtig?
Ohne sie zieht warme, feuchte Luft aus dem Haus nach oben, kondensiert in der Dämmung und macht sie nass. Das führt zu Schimmel, Holzfaulnis und verliert bis zu 30% der Wärme. 43% aller Dachmängel entstehen durch falsche oder fehlende Luftdichtheitsschicht - das ist der häufigste Fehler.
Gibt es eine Checkliste, die auch Asbest prüft?
Ja - die Checklisten von Verband Wohneigentum und Gunter Hankammer enthalten einen speziellen Punkt für Asbest. Wenn dein Dach zwischen 1960 und 1980 gebaut wurde, ist die Prüfung Pflicht. Nur ein zugelassener Sachverständiger darf Asbest prüfen - du kannst das nicht selbst machen.
Was ändert sich ab 2025 bei der Dachsanierung?
Ab 1. Januar 2025 müssen alle Förderanträge digitale Checklisten mit Geotagging und Fotos enthalten. Papier ist dann nicht mehr ausreichend. Auch die Prüfung von Photovoltaik-Integrationen wird standardisiert. Wer jetzt nicht umstellt, läuft Gefahr, Fördermittel zu verlieren.