Häufige Renovierungsfehler im Haus und wie man sie vermeidet: So sparen Sie Geld und verhindern Schäden

Häufige Renovierungsfehler im Haus und wie man sie vermeidet: So sparen Sie Geld und verhindern Schäden
Häufige Renovierungsfehler im Haus und wie man sie vermeidet: So sparen Sie Geld und verhindern Schäden
  • von Helmut Schröder
  • an 11 Jan, 2026

Die meisten Renovierungen laufen schief - und das ist vermeidbar

Fast jeder zweite, der sein Haus sanieren lässt, überschreitet das Budget. 12 Prozent der Bauherren liegen bis zu 49 Prozent daneben, fünf Prozent sogar über 50 Prozent. Das ist kein Zufall. Es sind dieselben Fehler, die Jahr für Jahr passieren - und die man mit ein wenig Vorbereitung einfach vermeiden könnte. In Dresden, wo viele Altbauten aus den 50er bis 70er Jahren renoviert werden, sieht man das besonders deutlich: Schimmel an den Außenwänden, kalte Fenster, hohe Heizkosten - alles Folgen von falscher Planung.

Fehler Nummer 1: Keine Bestandsaufnahme, kein Plan

Bevor du einen Hammer schwingst oder einen Handwerker beauftragst, musst du wissen, was wirklich in den Wänden steckt. Viele Bauherren gehen davon aus, dass ihr Haus „nur“ neu gestrichen werden muss. Doch oft verbirgt sich dahinter feuchter Putz, undichte Dämmung oder sogar Asbest. Ohne einen Blower-Door-Test und eine Wärmebildkamera kannst du Wärmebrücken, Luftlecks und Feuchtigkeitsschäden nicht sehen. Die Deutsche Energieagentur (dena) hat gezeigt: In 68 Prozent der Sanierungsprojekte wurden die Taupunktverhältnisse falsch berechnet. Das führt zu Kondenswasser - und das ist der Hauptgrund für Schimmel.

Ein professioneller Energieberater kostet zwischen 500 und 1.200 Euro. Klingt viel? Im Vergleich zu den 18.500 Euro, die ein durchschnittlicher Sanierungsfehler kostet, ist das eine Investition. Und er findet Dinge, die du nie sehen würdest - wie eine undichte Dachdämmung, die schon seit zehn Jahren Feuchtigkeit in den Dachboden leitet.

Fehler Nummer 2: Die falsche Reihenfolge der Arbeiten

Was ist zuerst da? Die neuen Fenster? Die neue Fassade? Die Heizung? Die meisten Hausbesitzer denken: „Ich will erst mal schöne Fenster haben.“ Aber das ist der größte Fehler. Wenn du zuerst Fenster austauschst und erst danach die Außenwände dämmt, verschiebst du den Taupunkt ins Mauerwerk. Das bedeutet: Die Wand wird feucht, die Dämmung wird nutzlos, und Schimmel entsteht.

Die richtige Reihenfolge ist einfach:

  1. Erst die Dämmung von Dach und Außenwänden - also die Gebäudehülle
  2. Dann neue Fenster und Türen - dicht, luftdicht, mit richtigem Einbau
  3. Im Anschluss die Heizungs- und Lüftungsanlage modernisieren
  4. Und erst zum Schluss: Innenausbau, neue Fußböden, Tapeten

Diese Reihenfolge hat die TU München an über 200 Altbauten untersucht. Wer sie befolgt, vermeidet 42 Prozent der schwerwiegenden Schäden. Wer sie ignoriert, baut sich ein teures Problem in die Wände.

Fehler Nummer 3: Die Handwerker wählen wie beim Supermarkt

„Der Nachbar hat einen Tischler, der super günstig ist.“ - Das ist der Anfang vom Ende. In 41 Prozent der Renovierungsprojekte arbeiten Handwerker, die nicht die nötige Fachkenntnis haben. Besonders bei Dämmung, Fenstereinbau oder Lüftungsanlagen brauchst du Experten mit Zertifikaten. Die Handwerkskammer München hat geprüft: Nur 35 Prozent der angebotenen Handwerker konnten nachweisen, dass sie die Energieberater-Qualifikation nach HWK haben.

Was du wirklich brauchst: Ein Angebot mit konkreten Materialangaben (z. B. „Dämmstoff: Mineralwolle 160 mm, KfW-geprüft“), einem Klimaschutzkonzept und einem Haftpflichtversicherungsnachweis. Frag nach Referenzen - und ruf bei drei ehemaligen Kunden an. Nicht nur, ob sie zufrieden waren, sondern: „Hatten Sie nach einem Jahr noch Schimmel? Wurde die Heizung richtig eingestellt?“

Fehler Nummer 4: Fördermittel ignorieren oder zu spät beantragen

Die KfW-Bank hat 2022 dokumentiert: 23 Prozent der Bauherren haben Fördermittel gar nicht beantragt. Andere haben sie erst nach Baubeginn eingereicht - und wurden abgelehnt. Das ist ein Verlust von durchschnittlich 12.800 Euro pro Projekt. Ob du BAFA-Förderung, KfW-Programm 430 oder 152 nutzt - du musst das vor der Bestellung der Materialien und der Auftragsvergabe klären.

Der Trick: Du holst dir einen Energieberater, der dir den Antrag vorbereitet. Die meisten geben dir den Antrag sogar kostenlos mit. Du zahlst nur für die Beratung - und bekommst dafür bis zu 30 Prozent der Kosten zurück. Das ist kein Bonus. Das ist dein Geld, das du dir sonst selbst abnimmst.

Schritt-für-Schritt-Reihenfolge der Sanierung: Dämmung, Fenster, Lüftung, Innenausbau.

Fehler Nummer 5: Kein Puffer für unvorhergesehene Kosten

Ein Haus ist kein Katalogprodukt. Wenn du eine Wand öffnest, findest du oft etwas, das nicht auf dem Plan stand: alte Ziegel, feuchte Kellerwände, verrostete Rohre. Das ist normal. Aber 63 Prozent der Bauherren planen keinen finanziellen Spielraum ein. Der Verband Privater Bauherren hat ermittelt: Nur 37 Prozent legen mindestens 10 bis 15 Prozent des Budgets als Puffer an.

Ein Beispiel aus Nürnberg: Ein Bauherr wollte eine 200 kg schwere Badewanne in den zweiten Stock bringen. Die Statik wurde nicht geprüft. Nachdem die Wanne auf dem Boden lag, musste das gesamte Zimmer verstärkt werden - 8.200 Euro zusätzliche Kosten. Ein Puffer von 15 Prozent hätte das abgefangen.

Rechne also: Wenn dein Budget 50.000 Euro beträgt, plane 5.000 bis 7.500 Euro zusätzlich ein. Nicht als Luxus. Als Versicherung.

Fehler Nummer 6: Schlechte Koordination zwischen den Gewerken

Der Dämmungsmonteur kommt, der Fensterbauer kommt, der Elektriker kommt - aber keiner spricht mit dem anderen. Das ist der Grund, warum 57 Prozent der Sanierungsprojekte Verzögerungen und zusätzliche Kosten haben. Ein Beispiel: Der Dämmungsmonteur hat die Wand gedämmt, aber der Fensterbauer hat die Dämmung nicht an die Fensterlaibung angepasst. Jetzt ist ein Luftraum entstanden - und das ist eine Wärmebrücke.

Die Lösung: Ein Bauleiter. Nicht unbedingt ein teurer Generalunternehmer. Ein unabhängiger Bauberater, der die Termine koordiniert, die Arbeiten kontrolliert und sicherstellt, dass alle Gewerke aufeinander abgestimmt sind. Das kostet 500 bis 1.500 Euro - aber spart dir oft 10.000 Euro.

Fehler Nummer 7: Schimmel durch schlechte Lüftung

Wenn du deine Fenster dicht machst, musst du auch dafür sorgen, dass die Luft rauskommt. Viele Hausbesitzer denken: „Ich öffne einfach die Fenster.“ Aber das ist kein Ersatz für eine mechanische Lüftungsanlage. Besonders in Bädern, Küchen und Schlafzimmern entsteht durch fehlende Belüftung Kondenswasser - und das ist die Nährboden für Schimmel.

Die umfis.de-Studie zeigt: In 20 Prozent der Sanierungsprojekte tritt Schimmel auf - und in 80 Prozent dieser Fälle liegt es an der Lüftung. Die Lösung: Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Sie kostet 4.000 bis 8.000 Euro, spart aber 30 Prozent Heizkosten und verhindert Schimmel. Und sie ist oft förderfähig.

Fehler Nummer 8: Überforderung durch zu viele Projekte gleichzeitig

„Ich renoviere das Bad, mache die Küche neu, dämm die Fassade und tausche die Heizung aus.“ - Klingt gut. Ist aber ein Fehler. Jedes Gewerk braucht Zeit, Material, Platz, Strom, Wasser. Wenn du zu viele Projekte gleichzeitig startest, kollabiert die Planung. Die Handwerker warten aufeinander. Die Materialien kommen nicht rechtzeitig. Und du verlierst den Überblick.

Die Faustregel: Maximal zwei große Projekte gleichzeitig. Und immer erst eines abschließen, bevor du das nächste beginnst. Ein Beispiel aus Dresden: Ein Bauherr wollte sein gesamtes Haus in sechs Monaten sanieren. Sechs Monate später war nur die Küche fertig. Die anderen Räume waren halb renoviert - und voller Staub, Schmutz und Unordnung. Sein Stresslevel war höher als sein Geldbeutel.

Bauberater koordiniert Handwerker bei fachgerechter Dämmung und Fensterinstallation.

Fehler Nummer 9: Dämmschichten mit Lücken

Ein Meter Dämmung ist nur so gut wie seine schlechteste Stelle. Die Deutsche Energieagentur hat gemessen: Lückenhafte Dämmung führt zu 15 bis 20 Prozent höheren Heizkosten. Bei einem Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern sind das 350 Euro pro Jahr - über zehn Jahre 3.500 Euro. Und das nur wegen ein paar Millimeter Lücken an den Sockelbereichen oder hinter Heizkörpern.

Ein besonders häufiger Fehler: Metallsockel. In 78 Prozent der untersuchten Gebäude sind diese als Wärmebrücken unentdeckt geblieben. Sie leiten die Wärme direkt nach außen. Die Lösung: Sockeldämmung aus Holzfaser oder Mineralwolle - und immer mit einer dichten Anbindung an die Wanddämmung. Der Handwerker muss das dokumentieren - mit Fotos vor und nach der Arbeit.

Fehler Nummer 10: Keine Dokumentation - kein Nachweis

Wenn nach zwei Jahren Schimmel auftritt, wer zahlt dann? Du. Denn ohne Nachweis, was gemacht wurde, kannst du keine Ansprüche geltend machen. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) empfiehlt: Dokumentiere jeden Arbeitsschritt. Fotos von der Dämmung, vom Fenstereinbau, von den Anschlüssen. Protokolle der Baubesprechungen. Rechnungen mit Materialnummern.

Das ist nicht nur für dich wichtig. Wenn du dein Haus später verkaufst, ist das deine beste Waffe. Ein Käufer fragt: „Ist die Dämmung richtig gemacht?“ Mit Dokumentation sagst du: „Ja. Hier ist der Nachweis.“ Ohne Dokumentation sagst du: „Ich hoffe es.“

Was du jetzt tun kannst

Die gute Nachricht: Jeder dieser Fehler ist vermeidbar. Du brauchst keine Million. Du brauchst nur:

  • Eine professionelle Bestandsaufnahme mit Energieberater
  • Einen klaren Plan mit Reihenfolge der Arbeiten
  • Qualifizierte Handwerker mit Zertifikaten
  • Einen Puffer von 10-15 Prozent im Budget
  • Die rechtzeitige Beantragung von Fördermitteln
  • Dokumentation aller Arbeiten

Die schlechte Nachricht: Es gibt keine schnellen Lösungen. Aber es gibt sichere Lösungen. Und die sparen dir nicht nur Geld. Sie sparen dir Stress, Schimmel, kalte Räume und Nerven. In Dresden, wo die Winter härter werden, ist eine gute Sanierung keine Luxusfrage. Sie ist eine Lebensfrage.

Die Zukunft kommt - und sie ist digital

Die Baubranche verändert sich. BIM - Building Information Modeling - ist kein Trend mehr, sondern Standard. Mit digitalen Modellen kannst du vorher sehen, wo eine Wärmebrücke entsteht, bevor der erste Stein liegt. Das Fraunhofer-Institut hat gezeigt: BIM reduziert Fehler um 32 Prozent. Du musst kein Technik-Genie sein. Ein guter Energieberater nutzt das schon. Frag ihn danach. Wenn er nicht weiß, was BIM ist, such dir einen anderen.

Was das Gebäudeenergiegesetz (GEG) 2024 für dich bedeutet

Ab 2024 gelten strengere Regeln: Höhere Dämmwerte, Nachweis der Heizungsanlage, Energieausweis mit konkreten Zahlen. Wer jetzt nicht plant, wird später teuer zahlen. Wer jetzt sanieren lässt, kann die Förderung nutzen. Wer wartet, zahlt doppelt - erst die Sanierung, dann die Strafen. Das GEG ist kein Hindernis. Es ist ein Anreiz. Nutze es.