Hochwasser- und Starkregenschutz am Keller: So schützen Rückstauklappen Ihren Keller vor Abwasserrückstau

Hochwasser- und Starkregenschutz am Keller: So schützen Rückstauklappen Ihren Keller vor Abwasserrückstau
Hochwasser- und Starkregenschutz am Keller: So schützen Rückstauklappen Ihren Keller vor Abwasserrückstau
  • von Benjamin Alisic
  • an 10 Jan, 2026

Wenn es stark regnet, läuft das Wasser nicht nur auf der Straße zusammen - es drückt auch in die Kanalisation. Und wenn die Leitungen überlastet sind, kommt das Abwasser nicht nur nicht mehr raus, es fließt Rückstauklappe zurück - direkt in Ihren Keller. Das ist keine Seltenheit mehr. In Linz und anderen Städten mit hohem Grundwasserstand oder Nähe zu Flüssen passiert es jedes Jahr wieder: Nach einem Starkregen steht der Keller unter schmutzigem Abwasser. Schmutz, Geruch, kaputte Elektronik, zerstörte Einrichtung - und eine Reinigung, die Tage dauert. Dabei gibt es eine einfache, bewährte Lösung: die Rückstauklappe.

Was ist eine Rückstauklappe und wie funktioniert sie?

Eine Rückstauklappe ist eine mechanische Sicherheitsvorrichtung, die in Ihre Abwasserleitung eingebaut wird. Sie lässt das Abwasser aus Ihrem Haus normal nach außen fließen - aber blockiert jedes Wasser, das von außen zurückkommt. Es ist wie ein Rückschlagventil, das nur in eine Richtung öffnet.

Die Klappe besteht aus zwei beweglichen Flügeln, meist aus Edelstahl oder Nitrostahl, die in einem robusten ABS-Gehäuse montiert sind. Bei normalem Betrieb liegen sie offen und lassen das Wasser aus Waschmaschine, Spülmaschine oder Dusche ungehindert in die öffentliche Kanalisation fließen. Sobald aber das Wasser von außen - etwa durch überlastete Kanäle - zurückgedrückt wird, schließen sich die Klappen automatisch. Der Druck des zurückströmenden Wassers presst sie fest gegen eine Gummidichtung. Kein Tropfen kann mehr nach innen.

Einige Modelle, wie die doppelte Rückstauklappe von Capricorn, haben sogar zwei Klappen hintereinander. Selbst wenn die erste durch Verschmutzung oder Verschleiß nicht vollständig dicht wäre, hält die zweite das Wasser ab. Das ist die sogenannte Redundanz - eine wichtige Sicherheitsstufe, die viele Hausbesitzer unterschätzen.

Warum brauchen Sie eine Rückstauklappe?

In den letzten zehn Jahren haben Starkregenereignisse in Österreich deutlich zugenommen. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung prognostiziert bis 2050 eine Zunahme von 20 bis 30 Prozent. Das bedeutet: Was früher einmal alle fünf Jahre passierte, passiert heute alle zwei Jahre. Und die Kanalisation in vielen älteren Stadtteilen ist dafür nicht ausgelegt.

Ein Keller, der mit Abwasser vollläuft, ist kein kleiner Ärger - das ist ein massiver Schaden. Die Reinigung kostet hunderte Euro, Möbel und Bodenbeläge müssen ersetzt werden, und Schimmelbildung setzt oft innerhalb von 48 Stunden ein. Und das alles, obwohl es eine Lösung gibt, die für weniger als 2.000 Euro installiert werden kann.

Was viele nicht wissen: Versicherungen prüfen immer häufiger, ob eine Rückstauklappe vorhanden ist. Wenn nicht, können sie bei Schäden durch Rückstau die Zahlung verweigern - selbst wenn Sie eine Wohngebäudeversicherung haben. Die Deutsche Gesellschaft für Wasserwirtschaft (DWA) hat klare Empfehlungen veröffentlicht, und viele Kommunen in Hochwassergebieten fordern sie sogar bei Neubauten. In Bestandsbauten liegt die Durchdringungsrate bei nur 25 Prozent - das ist zu wenig.

Wo wird die Rückstauklappe eingebaut?

Die Klappe wird nicht irgendwo angebracht - sie muss genau dort sitzen, wo das Abwasser aus Ihrem Haus in die öffentliche Leitung mündet. Es gibt drei Hauptpositionen:

  • In der Keller-Abwasserleitung: Das ist die einfachste und häufigste Variante. Wenn Ihre Rohre im Keller frei liegen - etwa im Kellerabstellraum oder in einem Schacht - kann die Klappe direkt in die Hauptleitung eingebaut werden. Vorteil: Sie ist leicht zugänglich für Wartung und Kontrolle.
  • In der Bodenplatte: Bei umfassenden Sanierungen, besonders wenn der Keller neu verfliesst oder isoliert wird, wird die Klappe oft in der Bodenplatte eingebaut. Hier muss das Rohr durch die Betonplatte geführt werden. Die Installation ist aufwendiger, aber dauerhafter und sauberer.
  • Im Revisionsschacht zwischen Haus und Straße: Wenn Ihr Haus einen Schacht hat, der vom Haus bis zur Straßenkanalisation führt, kann die Klappe dort eingebaut werden. Das ist seltener, aber praktisch, wenn der Keller keine freien Rohre hat.

Die Wahl der Position hängt von Ihrem Hausbau, den vorhandenen Rohren und der Sanierungsplanung ab. Ein Fachmann prüft vor Ort, welche Lösung für Sie die beste ist.

Querschnitt einer Rückstauklappe mit zwei verschlossenen Metallklappen in einer Abwasserleitung.

Installation: Was brauchen Sie und wie läuft sie ab?

Die Installation ist kein DIY-Projekt für Anfänger - aber sie ist auch nicht unmöglich. Sie brauchen:

  • Eine Rückstauklappe in der passenden Größe (110 mm, 125 mm, 160 mm oder 200 mm)
  • Eine Wasserpumpenzange
  • Einen Schraubendreher
  • Eine Flex mit Trennscheibe
  • Dichtmasse und Gleitmittel
  • Eventuell einen Bohrhammer mit Meißel, wenn Fliesen oder Beton durchbrochen werden müssen

Der Einbau folgt einem klaren Ablauf:

  1. Die Stelle markieren, wo die Klappe sitzen soll - meist direkt vor dem Austritt in die Hauptleitung.
  2. Das Rohrstück herausnehmen - mit Flex oder Säge.
  3. Die Rohrenden entgraten, damit keine Unebenheiten die Dichtung beschädigen.
  4. Die Überwurfmuffe vormontieren und die Wandbefestigungspunkte markieren.
  5. Die Wand bohren und die Schellen anbringen.
  6. Die Klappe in das Rohr einsetzen - mit Gleitmittel, damit sie sich leicht verschieben lässt.
  7. Die Überschiebmuffe zurückschieben und mit der Stockschraube fixieren.
  8. Die Dichtungen prüfen und mit Dichtmasse abdichten.

Wichtig: Das Rohr muss mindestens 50 mm aus der Wand herausragen, sonst kann die Klappe nicht richtig montiert werden. Wenn nicht, muss der Beton ausgearbeitet werden. Das ist eine Arbeit, die ein Sanitärfachbetrieb mit Erfahrung macht - und das sollte er auch tun. Eine falsch installierte Klappe ist nutzlos. Und wenn sie nicht richtig sitzt, kann sie bei einem Rückstau sogar brechen.

Kosten: Was kostet eine Rückstauklappe?

Die Klappe selbst kostet zwischen 150 und 500 Euro, je nach Größe und Ausführung. Die doppelte Capricorn-Klappe mit TÜV-Zertifikat liegt bei etwa 450 Euro. Die Installation durch einen Fachmann kostet zwischen 500 und 1.500 Euro - je nach Aufwand, Zugänglichkeit und ob Fliesen oder Beton aufgebrochen werden müssen.

Das klingt viel? Vergleichen Sie das mit den Kosten eines Schadens: Eine Reinigung nach einem Rückstau kostet oft 800 bis 2.000 Euro - und das ist nur der Anfang. Möbel, Boden, Elektronik, Schimmelbeseitigung - das kann schnell auf 5.000 Euro oder mehr kommen. Und das Risiko tragen Sie selbst, wenn keine Klappe vorhanden ist.

Einige Versicherungen gewähren sogar Rabatte, wenn Sie eine Rückstauklappe installieren. Fragen Sie Ihre Versicherung - das lohnt sich.

Wartung: Was müssen Sie tun?

Ein Rückstauklappe ist kein „einmal einbauen, dann vergessen“-System. Sie braucht Wartung. Mindestens zweimal im Jahr - vor und nach der Regenzeit - sollten Sie sie prüfen.

Einige Modelle haben einen Hebel, mit dem Sie die Klappe manuell öffnen können. So können Sie das Innere reinigen. Ablagerungen von Fett, Seife oder Haaren können die Dichtung beeinträchtigen. Wenn die Klappen nicht mehr dicht schließen, ist die Funktion gefährdet.

Wenn Sie unsicher sind: Lassen Sie es von Ihrem Sanitärfachmann prüfen. Die meisten bieten jährliche Wartungsverträge an - oft für unter 100 Euro pro Jahr. Das ist eine günstige Versicherung gegen einen Schaden, der viel mehr kostet.

Ein Sanitärfachmann prüft eine Rückstauklappe im Keller mit einer Taschenlampe.

Was eine Rückstauklappe nicht kann

Es ist wichtig, die Grenzen zu kennen. Eine Rückstauklappe schützt nur vor Abwasser, das aus der Kanalisation zurückkommt. Sie schützt nicht vor:

  • Grundwasser, das durch die Kellerwände eindringt
  • Regenwasser, das von außen über Fundamente oder Fenster in den Keller läuft
  • Volle Überlastung des gesamten Kanalnetzes - wenn alles voll ist, kann auch die Klappe nicht mehr alles abhalten

Dafür brauchen Sie andere Lösungen: eine Abwasserhebeanlage, eine Drainage oder eine wasserdichte Kellerabdichtung. Aber für den Rückstau aus der Kanalisation ist die Klappe die effektivste und günstigste Lösung.

Zukunft: Intelligentere Lösungen

Es gibt bereits neue Modelle mit Sensoren. Die können per App warnen, wenn sich die Klappe schließt - oder wenn sie verstopft ist. Aber diese Systeme sind noch teuer und selten. Sie kosten oft über 1.000 Euro mehr als eine mechanische Klappe. Für die meisten Hausbesitzer ist eine klassische, mechanische Klappe immer noch die beste Wahl: zuverlässig, wartbar, günstig.

Die Forschung arbeitet an besseren Materialien, die weniger anfällig für Ablagerungen sind. Die DWA plant bis 2024 eine Überarbeitung ihrer Richtlinien - und es ist klar: In Zukunft wird eine Rückstauklappe nicht mehr eine Option sein, sondern eine Pflicht. Nicht nur in Hochwassergebieten, sondern in immer mehr Städten.

Fazit: Handeln Sie jetzt

Ein Keller, der einmal vollgelaufen ist, verändert sich. Der Geruch bleibt. Die Angst bleibt. Die Reparaturkosten bleiben. Und die Versicherung zahlt vielleicht nicht.

Die Lösung ist einfach: Eine Rückstauklappe. Sie ist technisch ausgereift, preiswert im Vergleich zum Schaden, und sie funktioniert. Sie braucht keine Stromversorgung, keine App, keine komplizierte Technik. Nur eine korrekte Installation und regelmäßige Wartung.

Wenn Sie in einem Haus mit Keller leben - besonders in einer Gegend, die in den letzten Jahren schon einmal überflutet wurde - dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Nicht nächstes Jahr. Nicht nach dem nächsten Starkregen. Jetzt. Denn wenn es wieder regnet, ist es zu spät.