Altersgerecht umbauen: Dusche und WC im Badezimmer sicher und barrierefrei gestalten

Altersgerecht umbauen: Dusche und WC im Badezimmer sicher und barrierefrei gestalten
Altersgerecht umbauen: Dusche und WC im Badezimmer sicher und barrierefrei gestalten
  • von Benjamin Alisic
  • an 20 Feb, 2026

Ein Bad, das im Alter noch sicher und selbstständig genutzt werden kann, ist keine Luxuslösung - es ist eine Notwendigkeit. Jedes Jahr stürzen über 30 % aller Unfälle im Haushalt im Badezimmer. Die meisten davon passieren bei der Dusche oder am WC. Und das, obwohl eine altersgerechte Umgestaltung oft einfacher und günstiger ist, als viele denken. Es geht nicht darum, ein Luxus-Spa zu bauen. Es geht darum, dass du oder deine Eltern morgen noch selbstständig duschen können, ohne Angst haben zu müssen, auszurutschen oder sich zu verletzen.

Warum Dusche und WC der Schlüssel sind

Die Dusche und das WC sind die beiden kritischsten Punkte im Badezimmer. Hier wird der Körper am meisten belastet - beim Hinein- und Heraussteigen, beim Sitzen, beim Aufstehen. Eine kleine Schwelle von nur zwei Zentimetern kann für jemanden mit eingeschränkter Mobilität zur tödlichen Falle werden. Das hat die Stiftung Warentest 2024 bestätigt: In 65 % der als „bodengleich“ beworbenen Duschen gab es trotzdem eine unsichtbare Schwelle, die zu Pfützen und Stolperfallen führte.

Was viele nicht wissen: Eine echte bodengleiche Dusche hat keine Schwelle mehr. Nicht eine, die nur „niedrig“ ist. Sondern eine, die vollständig flach mit dem Badezimmerboden abschließt. Das bedeutet: kein Hochsteigen, kein Herausheben, kein Risiko. Und das ist kein Traum - das ist heute Standard, wenn man es richtig macht. Die Mindestgröße sollte 120 × 120 cm betragen. Das ist nicht zu viel Platz - das ist die Grundlage, um mit einem Duschhocker, einem Rollstuhl oder einfach nur mit einem Stock sicher zu duschen.

Der Bodenbelag ist genauso wichtig wie die Form. Nur ein rutschhemmender Belag mit R11 oder R12-Sicherheitsklasse schützt wirklich. Glatte Fliesen? Ein Alptraum. Rauhe Natursteinplatten? Die bessere Wahl. Und die Entwässerung? Sie muss schnell und zuverlässig funktionieren. Ein schlechter Ablauf führt zu Pfützen, Feuchtigkeit und Schimmel - und das ist kein geringes Risiko im Alter.

Das richtige WC - nicht nur ein Sitz, sondern eine Sicherheitslösung

Ein normales WC aus dem Baumarkt für 80 Euro ist bei einer altersgerechten Sanierung keine Option. Warum? Weil es zu niedrig ist. Der Abstand vom Boden zur Sitzfläche liegt bei Standard-WCs bei etwa 40 bis 45 cm. Für Menschen mit schwachen Beinen oder Hüftproblemen ist das fast unmöglich, ohne Hilfe aufzustehen. Die Lösung: ein wandhängendes WC mit barrierefreier Ausführung.

Diese Modelle sind höhenverstellbar - meist zwischen 45 und 50 cm. Das ist der Goldstandard. Außerdem haben sie keine schwer zugängliche Tankverkleidung unten, die sich schwer reinigen lässt. Und sie sind stabil, weil sie in der Wand verankert sind. Ein solches WC kostet etwa 1.375 Euro (BKI 2024), aber das ist kein Überfluss - das ist eine Investition in deine Unabhängigkeit. Vergleiche das mit einem einfachen WC für 70-100 Euro: Der Preisunterschied ist groß, aber der Unterschied in Sicherheit ist riesig.

Ein Bonus: Ein WC mit Bidet-Funktion oder automatischer Spülung ist nicht nur hygienisch, sondern auch praktisch. Wer sich kaum noch bücken kann, schätzt das. Eine Version mit Geruchsabsorber und automatischem Deckel kostet doppelt so viel - aber für manche ist das der Unterschied zwischen Selbstständigkeit und Hilfe.

Kosten: Was wirklich investiert werden muss

Wie viel kostet ein altersgerechtes Bad? Die Antwort ist einfach: Es hängt davon ab, was du willst. Aber es beginnt nicht bei 20.000 Euro - das ist ein Mythos.

Ein kleines Bad (ca. 4 m²) mit einer bodengleichen Dusche, einem wandhängenden WC, neuen Fliesen und einigen Haltegriffen kostet zwischen 9.000 und 14.000 Euro, wenn du einen Profi beauftragst. Klingt viel? Vergleiche es mit den Kosten, die entstehen, wenn jemand nach einem Sturz in die Pflege muss. Eine Pflegestufe kostet im Schnitt 1.500 Euro pro Monat - das sind 18.000 Euro pro Jahr. Die Investition in ein sicheres Bad lohnt sich also schnell.

Wenn du selbst mit anpackst, kannst du die Kosten deutlich senken. Der Abbruch alter Fliesen, das Verlegen der neuen Bodenheizung oder das Montieren von Haltegriffen - das kannst du oft selbst machen. Mit einem Selbstanteil kannst du die Kosten von 18.000 Euro auf 6.000-10.000 Euro reduzieren. Das ist realistisch. Die Baukosten für den Handwerker liegen bei durchschnittlich 50 Euro pro Stunde. Ein kompletter Umbau dauert 10-14 Tage. Plan das ein.

Die größten Kostenposten:

  • Bodengleiche Dusche (inkl. Einbau): ab 6.000 Euro
  • Wandhängendes WC: 1.375 Euro (zuzüglich Installation: ca. 140 Euro)
  • Fliesen und Untergrundvorbereitung: 60 Euro pro m²
  • Haltegriffe, Duschhocker, rutschfester Belag: 300-800 Euro

Einige Anbieter werben mit „ab 4.000 Euro“ - das ist oft eine Dusche mit Restschwelle, keine echte Bodengleichheit. Das ist kein echter Umbau. Das ist ein Kompromiss, der später gefährlich werden kann.

Wandhängendes WC mit erhöhter Sitzhöhe und Bidet-Funktion, ältere Person hält sich an Haltegriff fest.

Förderung: Die KfW und die Rentenversicherung helfen

Du musst das nicht alleine bezahlen. Die KfW fördert barrierefreie Umbauten mit bis zu 6.240 Euro pro Haushalt - und zwar als Zuschuss, nicht als Kredit. Dazu kommt: Seit Januar 2025 erhöht die Deutsche Rentenversicherung den Zuschuss für altersgerechte Badezimmer von 4.000 auf 6.000 Euro. Das ist kein kleiner Betrag. Das ist fast die Hälfte der Kosten gedeckt.

Wichtig: Du musst den Zuschuss vor Beginn der Arbeiten beantragen. Nachträglich gibt es nichts. Und du brauchst einen Nachweis, dass die Maßnahme medizinisch notwendig ist. Ein Arztbrief reicht oft aus. Viele Handwerker helfen dir beim Antrag - frag einfach.

Was Experten wirklich sagen

Ein Architekt aus Stuttgart sagt: „Ich sehe jeden Monat Häuser, in denen Menschen nach einem Sturz im Bad ins Pflegeheim ziehen. Das ist vermeidbar.“ Ein Sanitärplaner aus Berlin warnt: „Nicht jeder braucht eine Premium-Lösung. Ein Haltegriff an der Dusche und eine Anti-Rutsch-Matte reichen oft.“ Beide haben recht.

Es geht nicht darum, alles auf einmal zu ändern. Es geht darum, die größten Risiken zu eliminieren. Wenn du nur eine Sache machst: Mach die Dusche bodengleich. Und das WC auf die richtige Höhe. Alles andere ist Bonus.

Vorher-Nachher-Vergleich: Von gefährlicher Duschschwelle zu barrierefreiem Bad mit Förderhinweisen.

Was du wirklich tun kannst - 5 konkrete Schritte

  1. Prüfe deine Dusche: Stehst du noch sicher hinein? Gibt es eine Schwelle? Wenn ja: Ist sie höher als 1 cm? Dann ist sie ein Risiko.
  2. Miss die Höhe deines WC: Sitzen deine Beine im 90-Grad-Winkel? Wenn nicht, ist das WC zu niedrig. Eine höhere Sitzfläche ist ein Sicherheitsgewinn.
  3. Recherchiere Fördermöglichkeiten: KfW, Rentenversicherung, Kommune - viele Programme gibt es. Nutze sie.
  4. Vergleiche mindestens drei Angebote: Auf MyHammer.de und in Foren wie r/Bauen lesen viele Nutzer: „Der zweite Anbieter war 3.000 Euro günstiger und hatte bessere Referenzen.“
  5. Plan Platz für Pflege: Mindestens 150 cm Durchmesser Freiraum um das WC und die Dusche. Sonst kann eine Pflegekraft nicht helfen.

Was andere erlebt haben - echte Erfahrungen

Ein Nutzer aus Hamburg schrieb auf Reddit: „Ich habe 6.800 Euro investiert. Meine 87-jährige Mutter duscht jetzt wieder allein. Keine Hilfe mehr nötig. Das war die beste Investition unseres Lebens.“

Ein anderer aus Köln hatte Pech: „Die Firma versprach eine bodengleiche Dusche. Am Ende war eine 1,5 cm hohe Schwelle da. Weil die Rohre nicht angepasst wurden. 4.200 Euro für nichts.“

Das zeigt: Qualität zählt. Und Planung. Und klare Absprachen. Ein guter Handwerker zeigt dir vorher, wie die Dusche funktionieren wird. Mit Modellen, mit Skizzen. Frag danach.

Was kommt als Nächstes?

Die Zukunft der altersgerechten Badezimmer ist smart. Grohe hat im März 2025 ein System vorgestellt, das bei einem Sturz innerhalb von 30 Sekunden einen Notruf auslöst. Das ist noch teuer - aber es wird günstiger werden. Bis 2030 wird jedes dritte Bad in Deutschland altersgerecht sein. Das ist kein Trend - das ist die Realität.

Dein Bad ist kein Luxus. Es ist dein Ort der Sicherheit. Dein Ort der Würde. Und es ist nie zu spät, es zu verbessern. Selbst wenn du nur einen Haltegriff einbaust - du tust dir und deinen Liebsten einen großen Dienst.

Was kostet eine bodengleiche Dusche wirklich?

Eine echte bodengleiche Dusche mit Einbau kostet ab 6.000 Euro. Das beinhaltet den Abbruch, die neue Abdichtung, die Entwässerung und den rutschhemmenden Boden. Günstigere Angebote ab 4.000 Euro haben oft eine Restschwelle - das ist keine echte Barrierefreiheit.

Kann ich die Förderung auch für ein kleines Bad nutzen?

Ja. Die KfW-Förderung und der Zuschuss der Rentenversicherung gelten unabhängig von der Badgröße. Wichtig ist nur, dass die Maßnahme barrierefrei ist - also bodengleiche Dusche, höhenverstellbares WC und ausreichender Platz. Auch ein 3 m² Bad kann gefördert werden.

Brauche ich einen Arztbrief für die Förderung?

Oft ja. Die Rentenversicherung und die KfW verlangen einen Nachweis, dass die Umbaumaßnahme medizinisch notwendig ist. Ein einfacher Brief vom Hausarzt, der die eingeschränkte Mobilität bestätigt, reicht meist aus. Der Handwerker kann dir helfen, den richtigen Text zu formulieren.

Ist ein WC mit Bidet wirklich nötig?

Nicht unbedingt - aber es macht das Leben deutlich einfacher. Wer sich kaum noch bücken kann, schätzt die hygienische Reinigung ohne Handwäsche. Ein Bidet-WC kostet ab 350 Euro. Eine Version mit automatischer Spülung und Geruchsabsorption kostet doppelt. Es ist ein Komfort, der zu einer besseren Lebensqualität beiträgt.

Wie lange dauert ein kompletter Badumbau?

Ein kompletter Umbau mit bodengleicher Dusche und wandhängendem WC dauert in der Regel 10 bis 14 Tage. Dazu kommen 2-6 Wochen Wartezeit für den Handwerker, je nach Region. In ländlichen Gebieten kann die Wartezeit länger sein. Plan frühzeitig ein.